Stadt Geislingen an der Steige

Geislingen an der Steige wird erstmals als Stadt in einer Urkunde aus dem Jahr 1237 erwähnt, doch war der Talkessel am Rande der Schwäbischen Alb spätestens seit der Späten Bronzezeit besiedelt. Aus der Merowingerzeit sind mehrere Gräberfelder und Siedlungsplätze bekannt. Einzelne Funde deuten darauf hin, dass sich hier auch auffallend reiche Gräber befanden, die auf herrschaftliche Strukturen vor Ort verweisen könnten. Dies mag mit der verkehrsgeographischen Situation an einem Albaufstieg zusammenhängen.
Diese Situation war wohl auch ausschlaggebend, dass hier zu Beginn des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Helfenstein eine Stadt gegründet wurde, deren Position im engen Rohrachtal den wichtigen Handelsweg vom Rhein zum Mittelmeer kontrollierte. Oberhalb der Stadt lag die Burg Helfenstein. Schon bald wurde die Kernstadt durch zwei Vorstädte erweitert. Die alte Siedlung entwickelte sich parallel und blieb eine selbständige Gemeinde, die erst 1912 mit der Stadt Geislingen vereinigt wurde.
Zwischen 1396 und 1802 gehörte Geislingen zur Freien Reichsstadt Ulm. 1803 fiel die Stadt durch den Reichsdeputationshauptschluss an Bayern und wurde 1810 mit Württemberg ausgetauscht. Danach wurde Geislingen Sitz eines Oberamtes.
Am 29. Juni 1850 wurde mit der Geislinger Steige das letzte Teilstück auf der Filsbahnstrecke zwischen Stuttgart und Ulm in Betrieb genommen und dem Verkehr Übergeben (siehe auch Schwäbische Eisenbahn). Damit setzte die Industrialisierung Geislingens ein.
Bei der Kreisreform 1938 wurde das Oberamt Geislingen aufgelöst. Das Gebiet kam überwiegend zum Landkreis Göppingen. Bei der Kreisreform 1973 veränderte sich diesbezüglich nichts, doch konnte die Stadt im Rahmen der Gebietsreform einige Nachbargemeinden eingliedern und erreichte somit 1975 ihre heutige Ausdehnung.
1948 übernahm die Stadt die Patenschaft über Südmähren und nahm sich damit der Heimatvertriebenen dieser Region an. Seitdem finden in Geislingen-Altenstadt jedes Jahr am ersten Wochenende in den Sommerferien die Bundestreffen der Südmährer statt. 1950 wurde südlich der Stadt, auf der Schildwacht, das weithin sichtbare Ostlandkreuz errichtet. Es erinnert an die Leiden, welche die einst in Böhmen und Mähren lebende deutsche Bevölkerung bei ihrer Vertreibung erlitten hat. 1992 und 2003 wurde es erneuert und mit einer Lichtanlage versehen.
Die beengte Lage der Stadt im Tal bewirkt, dass angestammte Betriebe aufgrund mangelnder Erweiterungsmöglichkeiten abwandern.