Beziehungen zu Deutschland

Beziehungen zu Deutschland

Stand: März 2011

Politische Beziehungen

Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Aserbaidschan entwickeln sich gut. Aserbaidschan sieht in Deutschland seinen wichtigsten Partner in Westeuropa. Der aserbaidschanische Staatspräsident Ilham Alijew besuchte Deutschland bereits vier Mal, zuletzt im Februar 2010. Auch auf Ebene der Parlamente und Ressortministerien findet ein reger Austausch statt.

Wirtschaftliche Beziehungen

Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1991 fördert die aserbaidschanische Regierung die großen Erdöl- und Erdgasreserven des Kaspischen Meeres mit Hilfe westlicher Unternehmen. Der durch die Einnahmen aus der Ölförderung und große Investitionsvorhaben ausgelöste wirtschaftliche Aufschwung Aserbaidschans schlägt sich auch in den Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland nieder. Für Deutschland ist Aserbaidschan der wichtigste Wirtschaftspartner im Kaukasus. 2010 stieg der Umsatz im bilateralen Warenhandel auf zwei Mrd. Euro (2009: 1,6 Mrd. Euro; 2008: 2,4 Mrd. Euro). Deutschland bezieht aus Aserbaidschan in erster Linie Erdöl, 3,7 Mio. t im Jahr 2010. Damit liegt das Land auf Platz 7 der wichtigsten Rohöllieferanten Deutschlands.

Bei der Ausfuhr, die 2010 um 70% auf 736 Mio. Euro gesteigert wurde (2009: 431 Mio. Euro), stehen Kraftfahrzeuge, Eisen- und Stahlerzeugnisse sowie Maschinen und Fabrikationsanlagen im Vordergrund. Einige deutsche Energieunternehmen zeigen nachhaltiges Interesse an Explorations- und Produktionstätigkeit im Öl- und Gasbereich. Wichtigster Handelspartner von Aserbaidschan ist die EU.

Entwicklungspolitische Zusammenarbeit

Bei der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit steht die Entwicklung der Marktwirtschaft und die Förderung der Privatwirtschaft außerhalb des Öl- und Gassektors im Vordergrund. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt einzelne Betriebe und die zuständigen Behörden durch die Erstellung von Unternehmensplänen, Entwicklungs- und Marktanalysen. Ein weiteres wichtiges Vorhaben ist die Entwicklung des Kreditwesens durch eine Reihe von Maßnahmen der Finanziellen und Technischen Zusammenarbeit (Mikrofinanzbank, Deutsch-aserbaidschanischer Fonds, Unterstützung des Privatkundengeschäfts). Ein politisch wichtiger Bereich ist die Unterstützung der Rechts- und Gerichtsreform. Die Rehabilitierung der Trinkwasserversorgung für mehr als 145.000 Einwohner in ausgesuchten Provinzzentren sowie umweltbezogene Programme bilden zusätzliche Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit, die durch die auch Armenien und Georgien umfassende Kaukasus-Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verstärkt worden ist.

Kulturelle Beziehungen

Die Kulturbeziehungen gehen auf den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Im Westen Aserbaidschans erinnern zahlreiche Baudenkmäler daran, dass sich ab 1819 schwäbische Siedler im Südkaukasus niedergelassen hatten. In Baku steht noch eine evangelische Kirche, die von deutschen Architekten gebaut wurde. In Goy Göl, dem ehemaligen Helenendorf, lassen sich noch viele ursprüngliche Schwabengehöfte und eine Kirche bewundern, die mit Unterstützung der Bundesregierung restauriert und 2008 an die Stadtverwaltung übergeben wurde. Die Restaurierung einer weiteren deutschen Kirche in Shemkir (ehem. Annenfeld) ist in Planung-

Das Deutschlandbild ist positiv. Seit 1995 gibt es ein bilaterales Kulturabkommen. 2008 hat Aserbaidschan sein erstes Kulturjahr im Ausland veranstaltet und dafür Deutschland ausgewählt.

Im Jahr 2009 führte die deutsche Botschaft Baku „Deutschlandwochen in Aserbaidschan“ durch, die Ausstellungen (Architektur, Kunst, Fotos, Bücher), Konzerte und Filmvorführungen bis zu Symposien und Konferenzen umfassten.

Eine wichtige Säule der Kulturarbeit ist der deutsch-aserbaidschanische Kulturverein, der das Begegnungszentrum „Kapellhaus“ betreibt. In dem mit Spenden restaurierten historischen Gebäude finden das ganze Jahr über zahlreiche Kulturveranstaltungen statt.

Das Interesse am Erlernen der deutschen Sprache ist weiterhin hoch. Deutsch ist nach Englisch die wichtigste Fremdsprache und wird an zahlreichen Schulen und mehreren Universitäten gelehrt. Seit November 2004 wird Deutsch auch erstmals an sieben Schulen in der Primarstufe (entspricht der Grundschule) unterrichtet. Drei Schulen in Aserbaidschan sind Teil des weltweiten Netzwerks „Schulen: Partner der Zukunft“ und werden beim Aufbau eines erweiterten Deutschunterrichts unterstützt.

Das Goethe-Instituts unterhält seit 1998 einen deutschen Lesesaal mit rund 8.000 Medien an der Bakuer Fremdsprachenuniversität. Im Februar 2009 hat das Goethe-Institut ein Sprachlernzentrum (SLZ) in Baku eröffnet, das Deutschunterricht für Erwachsene und Jugendliche anbietet.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vergibt jährlich zahlreiche Studien- und Forschungsstipendien und fördert den Wissenschaftleraustausch. Ein entsandter Lektor des DAAD unterrichtet Deutsch in Baku und wird durch eine Sprachassistentin unterstützt. Der DAAD unterhält in Baku auch ein Informationszentrum. Es bestehen 15 Partnerschaften zwischen deutschen und aserbaidschanischen Hochschulen. Das aserbaidschanische Bildungsministerium und der DAAD haben 2008 ein Abkommen über die Zusammenarbeit beim neuen aserbaidschanischen Regierungsstipendienprogramm unterschrieben. Derzeit befinden sich 111 aserbaidschanische Regierungsstipendiaten in Deutschland in der Förderung.

Zwischen Ludwigshafen und Sumgait besteht eine Städtepartnerschaft.

Aserbaidschan bekennt sich zur Rückgabe unrechtmäßig erworbener Kulturgüter. Am Rande des OSZE-Gipfels in Istanbul 1999 übergab der damalige Staatspräsident Heydar Alijew dem damaligen Bundeskanzler Schröder zwei im Zweiten Weltkrieg durch sowjetische Soldaten entwendete Meisterzeichnungen der Bremer Kunsthalle. Weitere zwölf Zeichnungen wurden im Juli 2001 in New York an Deutschland zurückgegeben.

Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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